Freiherren v. Wimpffen und die Stadt ihres Ursprungs
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Die Freiherren von Wimpffen und die Stadt ihres Ursprungs,Wimpfen am Neckar

Die Freiherren von Wimpffen

und der Ort ihrer Herkunft, Wimpfen am Neckar

in Wort und Bild

von

Erich Scheible

Waiblingen

Wie ich dazu kam, das Adelsgeschlecht derer Von Wimpffen zu erforschen und wie komplex sich meine Suche nach dem mir zunächst fehlenden Quellenmaterial entwickelte

Diese Arbeit stellt eine Nebenfrucht meiner auf anderthalb Jahrhunderte Ortsgeschichte gerichteten und auf vier Bände ausgelegten Darstellung „Die Geschichte der hessischen Exklave Wimpfen (1802/03 – 1951/52)“ dar, von der vom Verein Alt-Wimpfen bis jetzt( 2015) zwei Bände herausgegeben werden konnten. Bereits im 2004 erschienenen Band 1 (1802 – 1836) sah ich mich bei der Darstellung der Napoleonischen Kriege veranlasst, dem im deutschsprachigen Raum wohl am ruhmreichsten und verehrtesten Abkömmling jenes den Namen der Stadt Wimpfen tragenden Adelsgeschlechtes derer Von Wimpffen kurzgefasst zu erwähnen, nämlich den österreichischen Feldmarschall MAX(IMILIAN) VON WIMPFFEN (1770 – 1854)
Dieser hatte an den Türkenkriegen und den französischen Revolutionskriegen teilgenommen und trug als Generaladjudant von Erzherzog Karl von Österreich wesentlich zum Sieg, dem ersten überhaupt, über Napoleon in der Schlacht bei Aspern vom 21. und 22. Mai 1809 bei. Und die bald danach am 5. und 6. Juli 1809 stattgefundene Schlacht bei Wagram brach er militärstrategisch richtigerweise mit Rücksicht auf die französische Übermacht ab. Das ermöglichte den österreichischen Truppen einen geordneten Rückzug, so dass sich der endgültige Sieg Napoleons in Grenzen hielt. Später nahm er u. a. als Feldmarschallleutnant an den Schlachten bei Leipzig des Jahres 1813 teil. Für sein als hoher Militär ganz dem Ruhme der österreichischen Armee geopfertes langes Leben, in dem er achtmal verwundet worden war und vor dem Feind sechs Pferde verloren hatte, bekam er von Kaiser Franz Joseph kurz vor seinem Tod den Orden vom Goldenen Vlies verliehen. Seine letzte Ruhe fand er auf sog. Heldenberg im Schlosspark von Kleinwetzdorf (heute Gemeinde Heldenberg) nahe Hollabrunn, der „österreichischen Walhalla“. Dort birgt ihn eine im Zentrum gelegene und von einem Obelisken über dem Eingang überragte Gruft. In dieser ruhen neben ihm der dreieinhalb Jahre später verstorbene berühmteste und populärste unter den damaligen österreichischen Feldmarschällen

JOSEPH WENZEL GRAF RADETZKY VON RADETZ

(1756 – 1858)

sowie als Dritter beider Freund, der Besitzer des Schlosses mit Park Kleinwetzdorf und Begründer dieser zum Andenken ruhmreicher Herrscher und Kriegshelden errichteten Gedenkstätte, der zu Reichtum gekommene Industrielle und Armeelieferant

JOSEF GOTTFRIED RITTER VON PARGFRIEDE  (1782 – 1863).

Letzteres zu erwähnen, dazu fühle ich mich vor allem deshalb veranlasst, weil mein Wimpfener Jahrgangskamerad Otto Maisenhälder mir in der Zeit der Abfassung von Band 3 von diesem „Heldenberg“ und von einem Besuch des Vereins Alt-Wimpfen dort zu Ehren des Maximilian von Wimpffen mehrfach höchst angerührt berichtet hat. 

Was mir aber damals in Anbetracht meines aus der Brockhaus-Enzyklopädie von 1908 und Meyers Konversations-Lexikon von 1909 geholten und somit höchst beschränkten, dazuhin teilweise unrichtigen Wissens über die Von Wimpffen nicht klar gewesen ist, das ist der Umstand, dass der damals bereits seit 1982 in Wimpfen am Berg heimische Hans Hermann Freiherr von Wimpffen sich als ein direkter Nachfahre des Feldmarschalls Maximilian von Wimpffen betrachten darf; denn dieser ist, als dessen Urururgroßonkel und er also als dessen Urururgroßneffe festzustellen. Da ich seit 1950 in Waiblingen tätig und ansässig bin, hatte ich zwar erfahren, dass dieser mir bislang nur dem Namen nach und als Leiter der 1973 begonnenen und über mehr als drei Jahrzehnte gegangenen sehr beliebten und viel gesehenen Sendung des Bayerischen Fernsehens „Die Sprechstunde“  bekannt gewesen war, sich in den beginnenden 1980er Jahren in Wimpfen am Berg angesiedelt hatte. Auch hatte ich schon von dessen betagter Mutter gehört, dass sie ungarischer Abstammung und Malerin sowie in Wimpfen dann und wann zu sehen sei. Von dieser sei hier vorwegnehmend eines ihrer sich im Besitz ihres Sohnes befindlichen Werke gezeigt, das diese im Alter von 83 Jahren geschaffen hat, sich auf meine Heimatstadt Wimpfen bezieht und wohl jeden Betrachterr anrührt. Kennengelernt habe ich Hans Hermann von Wimpffen erst per Zufall in etwa 2002/2003 gelegentlich eines meiner damals notwendigen Besuche im Stadtarchiv Bad Wimpfen. Und die wenigen Begegnungen des Folgejahrzehnts waren leider nur zufällig und flüchtig und erbrachten keinerlei Gelegenheit, Ansatzpunkte zur Einordnung seiner Person in die mir über lange Jahre nur bruchstückhaft bekannt gewordene Genealogie derer Von Wimpffen zu gewinnen. In diese umfänglich einzudringen, dazu sah ich mich nach dem Erscheinen des den Zeitraum von 1836 – 1870 behandelnden Bandes 2 (2008) im Zuge der Sammlung weiterer historischer Fakten für den Band 3 (1870/71 – 1918/19) aus den folgenden Gründen veranlasst:     Bei meinen bereits in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg begonnenen Erforschung der Geschichte Wimpfens als hessische Exklave, war ich im „Wimpfener Bote“ bzw. in der „Wimpfener Zeitung“ auf eine über die zweite Hälfte der 1870er bis beginnenden 1880er Jahre reichende Folge von Berichten gestoßen, die belegten, dass damals in Wimpfen ein Abkömmling derer Von Wimpffen mit seiner Familie gewohnt hat und denn auch dort am 15. November 1879 gestorben ist und auf dem (heute Alten) Friedhof seine letzte Ruhe gefunden hat; nämlich der ehemalige königlich-württembergische Kammerherr und Rittmeister BARON WILHELM VON WIMPFFEN (1820 – 1879)  und seine Gattin AMALIA  (AMELIE) AUGUSTE VON WIMPFFEN, GEB. VON ROUX de DAMIANI(1837 – 1925).  Überdies ging aus diesen Zeitungsberichten hervor, dass dessen Ansiedlung in Wimpfen ein von seiner älteren Schwester, der in München wohnenden

ST. ANNEN-EHRENSTIFTSDAME FREIFRAU KATHARINE VON WIIMPFFEN (1818 – 1875), gehegter, doch durch deren frühen Tod vereitelter Plan vorangegangen war, in Wimpfen umfängliche Baulichkeiten zu errichten und ein arrondiertes Gut zu gründen.     Außerdem fand sich unter den ergiebigen Hinweisen auf deren weitgestreute Verwandtschaft der genealogische Nachforschungen induzierende Umstand, dass zu dieser auch der hochgerühmte Schlachtenlenker des 1866er- und 1870/71er-Krieges,

GENERALFELDMARSCHALL HELMUTH VON MOLTKE  (1800 – 1891)gehört hat und dieser seine über die Einheirat einer Tante zustande gekommene Von Wimpffen-Verwandtschaft und damit auch dem damals großherzoglich-hessischen Exklavenstädtchen Wimpfen im Herbst 1876 die hohe Ehre seines Besuches erwiesen hat.     Der den Auftakt des Bandes 3 bestimmende Deutsch-Französische Krieg mit der daraus erwachsenen Gründung des Deutschen Kaiserreiches lenkte auch meinen Blick ganz speziell auf die von der Tragik des Geschehens umwitterte und damals in aller Munde gelangte Person des französischen sog.

"SEDAN"-GENERALS FÉLIX EMMANUEL DE WIMPFFEN (1811 – 1884).     Dazuhin sah ich mich veranlasst, gerade dessen Leben und unglücklicher Rolle des Verlierers der Schlacht bei Sedan des 1. und 2. September 1870 sowie Unterzeichners der für die Grande Nation so schmachvollen Kapitulationsurkunde ausführlichst zu behandeln. Das erklärt sich vor allem daraus, dass dieser sich als ein Vetter des in das so nahe Blickfeld gerückten Freiherrn Wilhelm von Wimpffen bzw. als ein Großvetter von dessen mit Wimpfen, wenngleich nur vorübergehend, eng verbundenen zwei Kindern des Wilhelm und der Amelie von Wimpffen namens

                                      Sophie von Wimpffen (1863- 1917   und Max(imilian) VON WIMPFE(1861 – 1907)                             

herausstellte. Wir werden über diese alle später noch vieles erfahren, dazuhin auch noch ganz besonders viel über den aus der ersten in Wimpfen 1880 geschlossenen Ehe der Vorgenannten mit dem aus Estland stammenden

BARON THEODOR LEONHARD RUDOLPH VON UNGERN-STERNBERG

(1857 – gest. od. umgekommen zwischen 1918 und 1923)

und dem unstet-abenteuerlichen unter den Kugeln der Roten Armee geendete Leben deren jüngsten Sohnes

ROBERT VON UNGERN-STERNBERG alias ROMAN UNGERN VON STERNBERG

(1885 – 1921),

 genannt seiner Tod bringenden grausamen Herrschaft in der äußeren Mongolei wegen

„Der blutige weiße Baron“.
 Hinzu kam des Sedangenerals enge Berührung mit seinem weitläufigen Verwandten und unglücklicherweise Widersacher Graf Helmuth von Moltke in dessen Rolle als Gegen-Unterzeichner der Kapitulationsurkunde von Sedan.      Meine Forschungsarbeit wurde durch den Umstand beflügelt, das der Hohenstadter Lehrer Ludwig Will (1872 – 1953) in seinen 1911 in der Nr. 128 der „Wimpfener Zeitung“ veröffentlichten Jubiläums-Aufsatz „Freiherr von Wimpffen - 1811 – 13. September – 1911“ im Rahmen seiner grundlegenden Ausführungen über die Adelsfamilie deren Von Wimpffen, der bislang ersten und einzigen aus Wimpfener Feder stammenden diesbezüglichen Untersuchung überhaupt (!), gerade der Person des Sedangenerals ganz breiten Raum gegeben hat. Hinzu kam aus dessen Feder 1929 noch eine etwas veränderte Neufassung, die den Titel „Die Reichsfreiherren von Wimpffen“ trug. Während Will in seiner älteren Arbeit vom auf dem Alten Friedhof zu findenden Grabdenkmal des Reichsfreiherrn Wilhelm von Wimpffen ausgeht, dann kurz auf dessen Geschlecht allgemein eingeht sowie dann die Namen und Titel von zwei (hier an späterer Stelle beschriebenen) namhaften Vertetern derselben nennt, schließlich recht ausführlich sich dem „Sedangeneral“ widmet, knüpft er im jüngeren solchen an der bei Stadtführungen oft gestellten Frage an, „ob der französische ‚Sedangeneral’ etwas mit Wimpfen zu tun habe“. Als Antwort gibt er den Aufsatz des Jahres 1911 in der Weise wieder, dass er einige kleine Streichungen wie auch Zusätze vornimmt. Und er fügt all diesem noch drei historische Beispiele des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit hinzu, die zeigen sollten, dass auch andere Familien sich nach der „berühmten neuen freien Reichsstadt, in der das stolze Geschlecht der Hohenstaufen sich eine großartige Schloßanlage erbaut hatte, den Namen ‚von Wimpfenbeilegten“: So der 1238 und 1250 genannte Reichsschultheiß Wilhelmus de Wimphen; dann der 1564 in einem Leichenreden-Buch als Mitautor erscheinende Doktor der sieben freien Künste und der Philosophie sowie Professor der Akademie zu Ingolstadt namens Johann Albert von Wimpfen; außerdem der 1460 als Konrad Koch und Sohn eines bis Mitte des 15. Jahrhunderts in Wimpfen tätig gewesenen Gerbers geborene ehemalige Schüler des Dominikanerklosters Wimpfen, später dessen Bruder, schließlich dessen Lektor sowie ab 1506 Professor und Rektor der neuen Universität zu Frankfiurt an der Oder, der sich Konrad Wimpina oder auch Konrad Wimpinensis nannte, gestorben auf einer Reise 1531 in Kloster Amorbach, der heftigste Gegner von Martin Luther und Verfasser der 106 Thesen Tetzels gegen diesen.

Ø     Was ich aus dieser örtlichen doppelten Quelle an Grundlegendem über das Werden derer Von Wimpffen fast unhinterfragt übernahm und im Blick darauf, dass dieses - wie auch alles andere von Luwig Will Konstatierte - mit den Aussagen sowohl der besagten Brockhaus-Enzyklopädie als auch mit Meyers Großem Konversations-Lexikon inhaltlich voll übereinstimmte, war vor allem Folgendes (die Unterstreichungen sind Hervorhebungen des Verfassers): „Die Familie derer von Wimpffen ist ein weitverzweigtes Geschlecht, dessen eigentlicher Familienname Heeremann hieß. Ein Nürnberger Bürger, Dominik Heeremann, erhielt 1555 einen kaiserlichen Wappenbrief und seine Enkel wurden hundert Jahre später (1658) in den Reichsadelsstand erhoben. Sie nannten sich von jetzt ab nach ihrer alten Heimat, dem jetzt hessischen Städtchen Wimpfen ‚Reichsfreiherrn von Wimpfen’.- Wir finden viele dieser Reichsfreiherren in verschiedenen europäischen Staaten in hervorragenden Stellungen, besonders als höhere Offiziere, so in Dänemark, in Österreich, Württemberg, Frankreich und als Gesandte in Preußen. Im Jahre 1800 starb der französische General und Vorsitzende des Militärgerichtshofes Freiherr Franz Ludwig von Wimpfen. Der württembergische Generalmajor Franz Karl Eduard v. Wimpffen wurde 1797 von Kaiser Franz II. in den Grafenstand erhoben. Und aus den vorgenannten beiden Lexika konnte ich ergänzend entnehmen, dass es sich bei den 1658 in den Freiherrenstand erhobenen sog. Enkeln des Dominik um  - jetzt genauer gesagt - die beiden Urenkel desselben handele, nämlich um die Gebrüder:

 

JOHANN FRIEDRICH VON WIMPFFEN genannt Herman(1581-1668) Losungsamtmann in Nürnberg und JOHANN DIETRICH VON WIMPFFEN genannt Herman (1583 - )Leutnant in spanischen Diensten

                                        -               

                                                                               Und diese seien die Begründer der beiden sog. Hauptlinien geworden, nämlich des

(ersten älteren) Johann - Friedrich - Stammes  sowie des  (zweiten jüngeren) Johann - Dietrich - Stammes.

Herausgewachsen sei aus

dem erstgen. die 1883 im Mannesstamm erloschene dänische  Linie – dem zweitgen. die jetzt, d. h. 1908/09, noch blühende elsässische Linie.

Die erhalten gebliebene sog.

elsässiche Linie sei später, ausgehend von

JOHANN GEORG,

(geb. 1689, gest. 1767),

- der demnach ein Nachkomme des jüngeren Dietrich gewesen sein müsste -

über dessen vier Söhne, in vier sog. Äste bzw. Zweige bzw. Linien zerfallen

nämlich in die des:

1) STANISLAUS, geb. 1721, 2) FRANZ LUDWIG, geb. 1732, 3) GEORG, geb. 1735, und 4) FELIX, geb. 1744.

Diesen, so heißt es, habe Kaiser Joseph II. 1781 den 1658 den Von Wimpffen verliehenen Freiherrenstand bestätigt.

 

    Was die nun in den beiden Lexika folgenden Lebensbeschreibungen dieser vier sog. Stifter, dazu jenen der für wichtig erachteten Nachkommen derselben betrifft, so differiert die in den zugrunde gelegten beiden Lexika getroffene Personen-Auswahl zwar um Einiges. Selbstredend erscheinen jedoch bei jedem die zwei vorumschriebenen großen Feldherren, nämlich der aus dem zweitgenannten Franz-Ludwig-Zweig hervorgegangene „Sedangeneral“ (genannt und geschrieben hier) Emanuel Felix von Wimpffen (geb. am 13. 09. 1811 zu Laon, gest. am 26. 02. 1884 zu Paris) und der dem drittgenannten Georgs-Zweig entwachsene Sieger von Aspern Maximilian von Wimpffen (geb. am 19. 02. 1770 zu Münster in Westfalen, gest. am 29. 08. 1854 in Wien). Außerdem wird auch der von Ludwig Will herausgehobene und ebenfalls dem zweitgenannten Franzens-Zweig entwachsene und von Kaiser Franz II. 1797 sogar in den Grafenstand erhobene Franz Karl Eduard von Wimpffen (geb. am 02. 01. 1776 in Stuttgart, gest. am 08. 12. 1842 in Graz) angeführt. Die von beiden Lexikonwerken gegebene Personen- und Berufsbeschreibung belegt die von Ludwig Will für die ausgehende 18. sowie vor allem das 19. bis beginnende 20. Jahrhundert getroffene Charakterisierung der Angehörigen des Adelsgeschlechtes derer Von Wimpffen, sowohl was deren Verbreitung in viele Staaten Europas als auch deren vornehmliche Tätigkeit als hohe Militärs und daneben manchmal auch als Militärschriftsteller, außerdem als Botschafter (Diplomaten) betrifft. In Meyers Großem Konversations-Lexikon springt ins Auge, dass an die Spitze der Reihe der vier Stifter nicht Stanislaus, der Älteste, gesetzt ist, sondern Franz Ludwig, der Zweitälteste, ein Umstand, der mir erst später klar geworden ist: Aus dessen sog. Franzens-Zweig ist dadurch, dass dieser je sechs Töchter und Söhne gehabt hat, aus denen die Mehrzahl der - wie schon gesagt - so sehr über Europa zerstreuten Von-Wimpfen-Familien herausgewachsen sind, wobei zu den von Ludwig Will aufgeführten europäischen Ländern noch eine ganze Reihe anderer solcher hinzuzurechnen ist: Nämlich Russland, Italien, Spanien, Ungarn, Schweiz, Baltische Staaten, USA. und dem von Will aufgeführten Preußen sind noch die folgenden anderen Länder bzw. Landschaften Deutschlands hinzuzufügen: Bayern, Württemberg, Franken, Westfalen, Hessen, Sachsen, Schlesien. Diese Auflistungen sind jedoch keineswegs als erschöpfend anzusehen.

Die Begegnung mit den bislang vorgestellten Personen des Von-Wimpffen-Geschlechtes, die alle mehr oder weniger bei der Erforschung der Geschichte Wimpfens der hessischen Zeit von 1802/03 bis 1951/52 und vor allem in der Ägide von 1870 – 1918 in mein Blickfeld gerückt sind, ist es also gewesen, die mich in Vorbereitung des Bandes 3 veranlasste, vor dem Beginn und noch während dessen Niederschrift, über dieses jegliche fassbare genealogische Fachliteratur, darüber hinaus örtliches und überörtliches Quellengut, darunter auch Bildgut und dazuhin genealogische Darstellungen in Wort und Bild aller Zeitläufte zu suchen, festzuhalten und auszuwerten. Alles was ich gefunden habe, findet sich im Anhang zusammengestellt in der Liste

 

LITERATUR UND QUELLENTEXTE

ÜBER DAS ADELSGESCHLECHT DERER VON WIMPFFEN IN CHRONOLOGISCHER ORDNUNG.

Das Nächstliegende war natürlich, weiteres primäres und auch sekundäres Material aus dem Stadtarchiv Bad Wimpfen zu bekommen, aus dem vor allem der Zeitraum, die genauen Namen und beruflichen Tätigkeiten derjenigen Träger des Nachnamens Hermann erschlossen werden könnten, die ihre Heimat- und Freie Reichsstadt Wimpfen vermutlich im 14./15. Jahrhundert verlassen und gegen die Freie Reichsstadt Nürnberg (so gedacht von dem von Will und den beiden Lexikonwerken aufgeführten Nürnberger Dominik Heeremannn her) oder evtl. auch Augsburg (so geschlossen aus Andreas Hafer in seiner Dissertation von 1993 „Wimpfen. Stadt-Raum-Beziehungen im Mittelalter“, wonach aus bestimmten Gerichtsbüchern des beginnenden 15. Jahrhunderts auf einen damaligen regen Besuch Augsburger Kaufleute in Wimpfen geschlossen werden könne) blieb ergebnislos. Und die auf evtl. vorhandenes weiteres Quellenmaterial gerichtete Auskunft von Stadtarchivar Günther Haberhauer lautete: „Weitere Anhaltspunkte kann ich in den spärlichen Archivalien der Zeit nicht entdecken.“ Was die Neuzeit anbelangt, kamen mir jedoch aus dem Stadtarchiv, was das sekundäre Material betrifft, die folgenden höchst hilfreichen zwei Kompendien zur Hand:

Ø     Der vom Stadtarchiv Bad Wimpfen im Kunsthandel erworbene titellose Stammbaum des Nürnberger insbesondere Portraitzeichners und Kupferstechers Johann Wilhelm Stör von ca. 1750/60. Dieser reicht vom ausgehenden 14. bis in etwa zum ausgehenden 17. Jahrhundert und erfasst von den „Hörmann von Wimpffen“, wie diese genannt werden, die ersten 9 Generationen. Leider ist beim Kauf der ursprünglich sicherlich dazugehörige Interpretations-Text nicht angeboten worden und vermutlich verloren gegangen gewesen.

Ø     Der 4 + 35 DIN A4-Seiten umfassende Separatdruck des österreichischen Bibliografen, Lexikografen und Schriftstellers Constantin von Wurzbach „Die Freiherren und Grafen von Wimpfen ... mit zwei Stammtafeln“ von 1888. Dieser umspannt, entsprechend der späteren Erscheinungszeit, 17 Generationen des Zeitraumes vom 14. Jahrhundert bis in etwa zum dritten Viertel des 19. Jahrhunderts und stellt 41 „Denkwürdige Sprossen“ in 34 kürzeren und 7 längeren Texten vor. Unter den letztgenannten hält der Träger des Goldenen Vließes Maximilian von Wimpffen mit 8 Seiten die Spitze. Ins Auge springt vor allem das den Freiherren von Wimpffen in der Fassung des 19. Jahrhunderts eigene Wappen. Dessen durch den Schwarz-Weiß-Druck zu vermissende Farbgestaltung lässt sich jedoch aus der beigegebenen Wappenbeschreibung ableiten.
Dem Werk ist ein „Alphabetisches Namen-Verzeichniß“ vorangestellt, das als Suchhilfe hinter den Namen der insgesamt 50 erfassten Personen die jeweiligen Seitenzahlen angibt.
.Dort sind diese Personen aufgegliedert nach den Gebieten ihres jeweiligen Hervortretens angegeben (Anmerkung: die Zahlen in Klammer bedeuten die Anzahl der jeweils Genannten), nämlich als

„Ordensritter“ (2)

a) des goldenen Vließes (1 - somit Maximlian von Wimpffen allein an der Spitze stehend) und

b. des Maria Theresien-Ordens (2 - dabei der vorgenannte Maximlian!) ),

„Reisende“ (3),

„Schriftsteller“ (10),

„Zur See“ Gefahrene (1),

„Staatsmänner und Staatsbeamte“ (11),

„Männer der Kirche und Mitglieder geistlicher Orden“ (5),

„Zu Oesterreich denkwürdig geworden“( 8),

„Im Auslande denkwürdig geworden“ (18).

Selbstredend ist dann und wann eine Person in mehreren der aufgeführten Kategorien zu finden. Den jeweils ggfls. beigefügten Adelstiteln sind ab der fünften Rubrik auch die Amtsfunktionen sowie Plätze der Tätigkeit beigegeben. Damit werden die ja auch schon von Luwig Will und den beiden Lexika zu erfassen gesuchten beruflichen sowie neigungsmäßigen Arbeitsgebiete herausgestellt, wobei durch die Hereinnahme der letzten größten Rubrik der im Auslande denkwürdig Gewordenen der Waffendienst dominiert. Es wird bei genauer Durchforschung der Namen auffallen, dass bei vier der aufgeführten Personen Lebensdaten stehen, die großteils weit vor jenem oben festgestellten Zeitraum des Wegganges der sog. Heremann von Wimpfen des 14./15. Jahrhunderts liegen, nämlich bei:

Arnold, Bischof von Worms (1044 – 1063),

Conrad , Probst in Worms (1329) und

Johann Albert, Domherr zu Würzburg (geb. 1354).

Dazu gehört auch noch der an siebtletzter Stelle angegebene

Heeremann (vom letzten Magedeburger Turnier),

das laut Lebensbeschreibung Nr. 23 auf das Jahr 1036 gesetzt ist.

Und spätereren Text erscheint auch noch

DAGOBERT VON WIMPFFEN, der ins 11. Jahrhundert gesetzt ist.

Die fünf Vorgenannten erscheinen auch alle in der angeschlossenen Rubrik „Zur Genealogie der Freiherren von Wimpffen“ (S. 3 – 5) aufgeführt. Wie an späterer Stelle gezeigt, ist die Existenz und Zuordnung dieser frühen Personen zum Geschlecht der He(e)r(e)mann/Von Wimpffen stärkstens in Zweifel zu ziehen. Nichtsdestotrotz bildete die Personenbeschreibung von Wurzbach im Verein mit deren beigegebenen beiden Stammtafeln, dazu der Stammbaum von Stör, die Basis für die Gewinnung eines genealogischen Grundgerüstes, das die so wichtige Einordnung der fürs Erste erfassten Abkömmlinge der He(e)r(e)mann/Von Wimpffen in eine Gesamtgenealogie ermöglichte. Als wichtige Ergänzung dieser ganz speziell und allein auf die Von Wimpffen ausgerichteten Werkschöpfungen erschienen mir die gängigen Lexikonwerke des Adels, so vor allem der seit 1763 erscheinende und ständig aktualisierte berühmte „Gotha“, der sich (wie auch der vorgenannte Separatdruck des C. von Wurzbach und alle nachgenannten solchen) im Internet fand und von dem zunächst die von Christoph Cellarius und Julius Gerhard Goltbeeg bearbeitete Ausgabe des Jahres 1853 und dann auch noch die Weiterführungen von 1866 und 1874 benützt wurden. Hinzu traten vergleichend vor allem die von dem Heraldiker, Arzt und Schriftsteller Ernst Heinrich Kneschke herausgegebenen genealogischen Speziallexika „Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart in heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung“ von 1853 und „Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon“, Band 9, 1870. Hinzugezogen wurden noch die folgenden Internet-Kompendien, die ebenso weitgespannt wie die vorgenannten genealogische Informationen über den Adel in seiner Gänze bieten, so: GeneAll.net Ι Index, Geni.com.people, William Adams Reitwiesner Genealocical Services u. a. m. Diesbezüglich ganz besonders ergiebig erwies sich auch Wikipedia, die Freie Enzyklopädie. Natürlich erwies sich diese und erwiesen sich alle die vorgenannten lexikal-digitalen Informationsträger auch unabdingbar notwendig für die Gewinnung von Informationen über die bestehenden weitgespannten Verwandtschaftsverbindungen derer Von Wimpffen aller Zeiten, so  z. B. hin zu den Von Moltke oder, ausgehend von der in Wimpfen 1888 erfolgten Heirat der o. a. Sophie von Wimpffen des Jahres 1888 mit einem Spross derer Von Ungern-Sternberg u. v. v. a. m. Was letztere betrifft, so konnte vor allem aus dem digitalisierten Genealogie-Werk des Otto Magnus von Stackelbeerg des Jahres 1930 „Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Band 1“ geschöpft werden. Glücklicherweise fand ich im Internet auch das folgende französische Lexikonwerk des ausgehenden 18. Jahrhunderts, das ebenfalls Grundlegendes über das Werden derer - wie dort gesagt - „De Wimpffen“ (wenngleich sich später, was die dort aufgeführten Generationen I – VIII betrifft, als großteils unrichtig Erweisendes) aussagt und aus der Feder des als Sammler vielerlei genealogischen und sonstigen Materials bezeichneten Schrifttstellers Francois-Alexandre Aubert de la Chesnaye Des Bois stammt und den Titel: „Dictionaire de la noblesse, contenant les généalogies, l’histoire et la chronologie des familles nobles de France ... , Band 12“ (Paris 1778) trägt. Dazu kam die 1788 erschienene und 223 Seiten umfassende Lebensbeschreibung des o. a. Stifters des sog. Franzens-Zweiges Franz Ludwig von Wimpffen des Titels „Mémoires du Général Baron de Wimpffen ...“. Aus dieser geht nicht allein der hauptsächliche höchst wechselvolle Lebensgang desselben hervor, sondern im Vorspann finden sich auch aufschlussreiche (wenngleich mehr als fragwürdige) Aussagen über das Werden seines Geschlechtes. Und was die mir ganz besonders wichtig erscheinende Erschließung des Lebens und vor allem dessen Erleidens nach der verlorenen Schlacht bei Sedan des französischen Generals Emmanuel Félix de Wimpffen betrifft, so bot mir der 1873 erschienene Band 1 des dreibändigen bewunderungswürdigen Werkes des brandenburgischen großen Dichters und Schilderers seiner Zeit und der Menschen derselben Theodor Fontane des Titels „Der Krieg gegen Frankreich 1870-1871“ den benötigten Stoff fast lückenlos.

Per Zufall stieß ich 2010 auf den Umstand, dass Hans Hermann Freiherr von Wimpffen, zu dem meinerseits damals immer noch keinerlei fester Kontakt bestand, damit begonnen hatte, im Internet auf seiner Homepage www.wimpffen.hu fortlaufend unter der Überschrift „Die Freiherren von Wimpffen und die Stadt Ihres Ursprungs  Wimpfen am Neckar“ von ihm verfasste Abhandlungen in bunter unsystematischer Folge über einzelne Glieder des Von-Wimpffen-Geschlechtes aller Jahrhunderte seines Bestehens zu veröffentlichen. Und zwar sind diese dort in der zweiten Rubrik „biographien“ teilweise zusammen mit aufschlussreichem Bild- und Urkundengut im Rahmen der folgenden insgesamt 10 Rubriken umfassenden Gesamt-Konzeption zu finden:

wappen,

biographien,

literatur,

militär,

schlachten,

wimpfen am Neckar,

bilder,

portraits,

strassen,

Sie starben für.

Die Vielfalt der Rubriken lässt spüren, dass der Autor dort nicht allein aufschlussreiches biografisches Material in Form von Einzelbiografien, sondern darüber hinaus auch vielerlei veranschaulichendes Wappen- und sonstiges Bildgut vorstellt sowie Verbindungen zwischen den beschriebenen Einzelpersonen herstellt, welche die Wesenszüge und Bedeutung seines Geschlechts bestens aufzeigen. Bis jetzt finden sich dort 44 Biografien eingebracht, die in der o. a. Zusammenstellung aufgelistet sind. Es ist zu erwarten, dass im Laufe der Zeit noch manch andere solche dazukommen werden. Dessen überraschenderweise ein Dutzend DIN A4-Seiten füllende Rubrik „literatur“ bezieht sich nicht auf Veröffentlichungen Außenstehender über das Von-Wimpffen-Geschlecht, sondern auf von Angehörigen desselben über 2 ¼ Jahrhunderte hinweg geschaffene Literatur insbesondere der Bereiche Militärwesen und -strategie, Erziehungswesen und auch Reiseberichte. Darunter finden sich etwas mehr als fünf Seiten mit rund 4 ½ Dutzend Titeln, in denen Dr. Hans Hermann von Wimpffen als Mitherausgeber von in den ca. dreieinhalb Jahrzehnten seiner großteils leitenden Tätigkeit beim Bayrischen Rundfunk und Fernsehen geschaffenen populärwissenschaftlich-medzinischen Schriften erscheint, die weite Bereiche der Medizin, der Krankheitsformen und deren Therapie berühren. Deren breiter Erfolg manifestiert sich vor allem darin, dass diese häufig weitere Auflagen fanden, auch in anderen Ländern erschienen sind und teilweise sich noch heute im Angebot der Verlage finden. Die wohl erfolgreichste dieser Veröffentlichungen war das 1973 zum ersten Male von Professor Theodor Hellbrügge, München, und Johann Hermann von Wimpffen auf der Basis einer Studie an 1660 Neugeborenen herausgegebene und zunächst von der TR-Verlagsunion München verlegte Elternbuch mit dem Titel „Die ersten 365 Tage im Leben eines Kindes. Die Entwicklung des Säuglings“. Dieses erlebte sehr bald neue und noch bis zur Gegenwart fortgeschriebene Auflagen und wurde raschestens in unzählige Sprachen der Welt von - um nur einige zu nennen - Albanisch über Chinesisch, Koreanisch, Lettisch, Französisch, Georgisch, Russisch, Griechisch, Tamilisch, Hindi, Holländisch, Iranisch, Türkisch bis Ungarisch übersetzt und in den jeweiligen Sprachen als Buch herausgebracht.

Und 1990 erschien unter Dr. Hans H. von Wimpffens alleiniger Autorenschaft bei Mitarbeit von Susi Piroué im Verlag Orac Wien.München.Zürich (in der Reihe „Die Sprechstunde. Ratschläge für die Gesundheit“) das mit eindrucksvollen Bildern von Sauerkraut-Gerichten aller Art (Suppen, Salate, Vorspeisen und Snacks, Aufläufe, Kuchen und Pfannengerichte, Beilagen und Gerichte ohne Fleisch, Gerichte mit Fisch und Krustentieren, Gerichte mit Fleisch und Wurst, Gerichte mit Geflügel) versehene und von der Presse bestbewertete Koch- und Gesundheitsbuch „Sauerkraut. Die besten Kochrezepte. Wirksame Heilanwendungen. Geschichte & Anekdoten“. Was aus der in der Rubrik „literatur“ verzeichneten großen Reihe der Werkschöpfungen des Dr. von Wimpffen noch erwähnt werden muss, das ist dessen Dissertation, durch die dieser im Rahmen seines weitgespannten Studiums der Fächer Politische Wissenschaften, Soziologie und Völkerrecht sowie auch Mittlere und Neue Geschichte an den Universitäten Heidelberg, Hamburg, Paris (Sorbonne) und Würzburg 1968 von der letztgenannten Universität den Doktorgrad erlangt hat. Diese trägt den Titel „Die Kämpfe der 2. Armee 1942/43 am Don. Ein Beitrag zur Koalitionsführung im Zweiten Weltkrieg“ und weist ihn als (auch!) Historiker aus. Das lässt verstehen, warum er sich so intensiv mit der Erforschung und Vermittlung der Geschichte seines Geschlechtes befasst. Selbstredend besitzt er einen sowohl durch Familienüberlieferung als auch durch wissenschaftliches Interesse und Sammelleidenschaft entstandenen höchst umfangreichen und vielfältigen Fundus von landes- und sprachenübergreifender Literatur, Urkunden- und Bildmaterial, das die Geschichte sein Geschlechts ausweist und ihm bei der Abfassung seiner teilweise sehr umfänglichen Abhandlungen Hilfe leistet.

Erst aus seinen ganz besonders ausführlichen und personal dichten solchen über die Glieder seines eigenen Zweiges wurde mir klar, dass er dem o. a. dritten sog. Georgs-Zweig entwachsen ist, innerhalb desselben dem nach Ungarn gelangten Ast der Wimpffen-Mollberg angehört und sein Vater, Großvater und Urgroßvater den ungarisch-russischen Vornamen 

(= JOHANN = HANS)

getragen haben:

IVAN I. VON WIMPFFEN-MOLLBERG

(1847 – 1895),

IVAN II. VON WIMPFFEN-MOLLBERG

(1880 – 1944),

IVAN III.VON WIMPFFEN-MOLLBERG

(1903 – 1990).

Näheres über diese und über den Ast der Wimpffen-Mollberg überhaupt, geschöpft aus des Autors ebenso fundiert-präzisen wie auch von der Materie her bannenden Personenbeiträgen, findet sich an späterer Stelle. Natürlich konnte ich auch aus allen dessen vielen fundierten Internet-Beiträgen wertvolle Anregungen und Erkennisse für meine Textgewinnung allgemein entnehmen.

Nachdem ich schließlich im Spätherbst 2013 bleibende engere Verbindung zu Hans  von Wimpffen fand und mich somit mit ihm direkt und fortlaufend über seine und meine Forschungen austauschen konnte, wurde mir klar, dass er Kontakte in alle jene Gebiete Deutschlands (so vor allem auch nach Augsburg und Nürnberg mit Umraum hin!) sowie in all jene vielen Staaten Europas und dort insbesondere zu Bibliotheken und Museen wie auch zu Von Wimpffen-Sprossen (Ungarn, Österreich, Frankreich und dort vor allem ins Elsaß sowie in die Île de France u. a. m., Dänemark, Russland, Spanien, Baltische Staaten) unterhält und darüber hinaus vor allem auch in die USA, wo sein älterer Bruder

GEORG IVAN (IVAN IV.) VON WIMPFFEN,

(geb. 1931 in Budapest),

als ehemaliger Unternehmer lebt. Bei diesen Kontakten, die vor allem der Suche von Materialien und Auskünften über seine Vorfahren sowie auch nach Verbindung zu lebenden Gliedern und Zweigen seines Geschlechtes gelten, kommen ihm seine ausgesprochene Weltläufigkeit, umfängliche Sprachenkenntnis und Beherrschung eines weitgespannten Kanons von Fachdisziplinen und Berufserfahrungen ganz besonders zustatten. Von ihm empfing ich nunmehr bei meinen Bemühungen um die Erforschung seines Geschlechtes ganz entscheidende Hilfen zu einem Zeitpunkt stockenden Weiterkommens infolge sich mehr und mehr einstellender Zweifel an der Richtigkeit der aus C. von Wurzbach geschöpften Genealogie der frühen Wimpffen des ausgehenden 14. bis beginnenden 17. Jahrhunderts. Diese Zweifel ergaben sich zunächst daraus, dass ich bei der systematischen Vergleichung des Stammbaumes des Nürnbergers J. W. Stör mit der ersten Hälfte der I. Stammtafel des Wiener C. von Wurzbach vornehmlich auf Nichtübereinstimmung stieß. Und zwar ergab die Durchzählung der Generationen bei Stör nur 9 solche (bezeichnet in Rot mit 1 – 9), bei Wurzbach (dort natürlich beschränkt auf die Parallelgenerationen) dagegen 10 solche (zur Unterscheidung dort bezeichnet mit I – X in Schwarz). Und die Vergleichung der bei Stör und Wurzbach angegebenen Namen der (männlichen) Stammträger und deren Frauen erbrachte nur eine Übereinstimmung bei der Generation 1 (bei Stör) mit I (bei Wurzbach) beim Mann (nicht  bei der Frau), außerdem bei den Generationen 8 und 9 (bei Stör) bzw. IX und X (bei Wurzbach) beim Mann, auch bei den beiden Frauen bei 8 und IX; bei 9 ist eine Frau nicht genannt, deshalb mit X eine Vergleichung nicht möglich. Ansonsten ergab sich diesbezüglich bei den dazwischenliegenden Generationen 2 bis 7 bzw. II bis VIII keinerlei Gleichheit. Das löste bei mir stärkste Irritationen aus. Gewiss genoss der Stammbaum Stör bei mir zunächst ein gewisses Vertrauen, weil dort in der 5. Generation der mir durch die beschriebene Wappenverleihung des Jahres 1555 durchaus als einstens existent gewesen erscheinende Dominik He(e)remann (dort: Dominicus Hörmann von Wimpffen) zu finden war, der sich bei von Wurzbach merkwürdigerweise nirgendwo (auch nicht in den Begleittexten) verzeichnet fand. Doch vertraute ich letztlich denn doch dem vielgelobten und vielschreibenden österreichischen Hausgenealogen C. von Wurzbach, nicht zuletzt auch deshalb, weil dessen Angaben so gut wie voll mit jenen älteren solchen von Aubert des Bois (1778) sowie dazuhin auch mit jenen des Gotha (1853) übereinstimmten. Also legte ich den Stammbaum Stör, nicht zuletzt auch mitveranlasst durch das Fehlen des Kommentartextes, wenngleich mit unguten Gefühlen, beiseite.

So entstand zunächst eine Darstellung, die sich allein und genau auf die von Wurzbach in seiner I. Stammtafel aufgeführten ersten Generationen I bis X der „Heeremann von Wimpffen“ stützte, obgleich ich von vorneherein allein schon gewisse Zweifel an deren Richtigkeit hatte, weil merkwürdigerweise die Frauen der dort aufgeführten Stammträger ohne Ausnahme als dem Adel entsprungen dargestellt waren. So waren z. B. beim ersten fassbaren Abkömmling des 14. Jahrhunderts namens

Sigismund Heeremann von Wimpffen

1)     Susanna von Eblingen,

2)     Ludovica von Kheit

genannt. Diese Zweifel sollten schließlich noch genährt werden, als ich im Internet nach der Fertigstellung des Textes auf einen umfänglichen Beitrag des sog. älteren Hospitalpredigers der Stadt Nürnberg namens Georg Ernst Waldau von 1778 des Titels „Von dem Losungsamtmann Johann Friedrich von Wimpfen und dessen Familie“ (siehe oben die aus der Brockhaus-Enzyklopädie und Meyers-Konversations-Lexikon übernommene auf diesen Johann Friedrich bezogene Namensnennung) stieß. Im Vorspann dieser Abhandlung wird nämlich ein dem Autor von der Nürnberger Von-Wimpffen-Familie zugekommener in Kupfer gestochener großer Stammbaum aufgeführt und ganz offenkundig als teilweise Textgrundlage verwendet, der mir mit Sicherheit mit jenem des J. W. Stör identisch erschien; denn die von Waldau aus diesem Stammbaum entnommenen Angaben über die dort genannte Generation 1 derselben entsprach genau jener von Stör, nämlich:

SIGMUND HÖRMANN und AGNES BRACHERIN.

Und volle Übereinstimmung mit den Angaben von Stör waren auch hinsichtlich der, allerdings von der Gesamt-Genealogie her nur sporadischen, Angaben von Waldau festzustellen, welche die 4., 7. und 8. Generation (letztere sich auf Johann Friedrich sowie dessen jüngeren Bruder Johann Dietrich beziehend) betrafen, und zwar, sowohl was die aufgeführten Männer als auch die Frauen der letztgenannten beiden Generationen angeht, nur mit dem kleinen Unterschied, dass Waldau stets statt „Wimpffen“ (mit ff) „Wimpfen“ (nur mit f) schreibt. Und darüber hinaus ergab sich bezüglich der von Waldau insgesamt aufgeführten acht Namen jener Nürnberger höchstgestellten sog. Ersten Familien, in welche laut diesem männliche und weibliche Mitglieder der Von-Wimpffen Geschlechts eingeheiratet haben, bei der genauen Durchschau von Stör vollste Übereinstimmung. Und zwar kommt man auf genau sechs männliche plus eine weibliche, da sind sieben Angehörige derer Von-Wimpfen, die in den Generationen 5 bis 9 sich mit diesen höchstgestellten Nürnberger Ersten Geschlechtern ehelich verbunden haben, und zwar sechs männliche solche und ein weibliches solches, zusammen also sieben. Die Minusdifferenz von einem männlichen Mitglied erklärt sich daraus, dass der Stammhalter der 9. Generation Johann Friedrich in zwei dieser Familien eingeheiratet hat. Weitere Namensnennungen tun hier noch nichts zur Sache und sollen deshalb erst an späterer Stelle in allen Einzelheiten dargelegt werden.

Was mir jedoch letztlich den entscheidenden Stoß zur Verwerfung des über das Werden und Wachsen des He(e)r(e)mann/Von Wimpffen-Geschlechtes geschaffenen Ersttextes versetzte, das war die von mir gesuchte und mir überraschenderweise durch Dr.Hans Hermann von Wimpffen zugesandte Textkopie eines im Nürnberger Raum 1984 erschienenen und auf einem Vortrag der nachgenannten Autorin des Jahres 1981 bei der „Gesellschaft für Familienforschung in Franken“ fußenden genealogischen Aufsatzes der bayrischen Genealogin Lore Sporhan-Krempel des Titels „Zur Geschichte der Familie Hermann von Wimpffen“. Beim Lesen fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bis auf wenige Unbedeutsamkeiten bestand zwischen deren aus Nürnberger Originalunterlagen, darunter auch Familienakten, geschöpften umfänglichen konkreten lückenlosen Angaben über die Generationen 1 bis 8 (und teilweise auch über die  Generation 9) der, wie sie sagt, „Familie Hermann von Wimpffen“ und jenen des Stammbaumes Stör beste Übereinstimmung. Die konkrete Vergleichung kann natürlich auch hier erst an späterer Stelle erfolgen. Das bedeutete, den bislang auf der Basis des von Wurzbach, Aubert des Bois und dem Gotha entstandenen ersten Einführungstext endgültig zu verwerfen und einen neuen solchen zu verfassen. Was ich aus Sporhan-Krempel Elementares entnehmen konnte, das waren drei (Dr. von Wimpffen natürlich aus der Kenntnis deiner Unterlagen schon bekannte) Grundtatsachen (Genaueres dazu erst später):
     Erstens und worauf schon die Brockhaus-Enzyklopädie 1908 („schwäbisches Geschlecht, dessen eigentlicher Geschlechtsname Heeremann lautet“) und Meyers Konversations-Lexikon 1909 („reichsunmittelbares Geschlecht, hieß eigentlich Heremann“) sowie, von diesen wohl übernommen, 1911 und 1929 auch Lehrer Ludwig Will („ein weitverzweigtes Geschlecht, dessen eigentlicher Familienname Heeremann hieß“) hingewiesen haben: Die Ahnen der Von Wimpffen hießen Hermann/Hörmann, die aus ihrem ursprünglichen Wohn- und Wirkungsort Wimpfen ausgewandert sind und sich später nach diesem „Von Wimpffen“ genannt haben (Brockhaus: „Heimatsbenennung“; Meyer: „nannte sich nach seiner Heimat“).

Ø     Deren Weggang erfolgte wohl im Laufe des 14. Jahrhunderts und zwar, nicht - wie von mir angenommen - zunächst nach Nürnberg, sondern nach der Freien Reichsstadt Augsburg. Von dort aus ließen sich ein Angehöriger der vierten oder gar fünften Generation nach dem Weggang aus Wimpfen, die ausgewanderte solche eingerechnet, in den Anfängen des 16. Jahrhunderts auch in Nürnberg nieder, der „Heinrich“ hieß und sich jetzt des Nachnamens „Hermann von Wimpffen“ bediente.

Ø     Diese alle waren ursprünglich keineswegs Militärs, wie von ihrem späteren vorwiegenden Metier des Kriegshandwerks her unwillkürlich geschlossen wurde und wie dies auch in der Familientradition kolportiert und von Wurzbach wie sogar von Stör übernommen wurde, sondern sie waren wohl über mehrere Jahrhunderte hinweg vorwiegend Kaufleute, und zwar insbesonders Fernkaufleute.

Von Dr Hans. von Wimpffen erhielt ich im gleichen Zeitraum auch ein Exemplar einer neuen Biografie, die 2012 in Laon, dem Geburtsort von „Sedangeneral“ Emmanuel Félix de Wimpffen, erschienen ist. Diese stammt aus der Hand von Jean-Pierre Allart und trägt den Titel „Le général de Wimpffen (1811-1884). L’autre homme de Sedan“. Wie die Titelfassung spüren lässt, sucht der Autor das diesem aus der Rolle des Verlierers der Schlacht von Sedan und des Unterzeichners der Kapitulationsurkunde zugekommene Negativbild durch die Darlegung dessen in mehreren Jahrzehnten vorausgegangenen militärischen und verwaltungsmäßigen Auf- und Ausbautätigkeiten im algerischen Kolonialgebiet ins rechte Licht zu rücken. Aus dieser Schrift konnte ich wertvolle Erkenntnisse gewinnen, wozu auch gehört, dass bestehende Unklarheiten bezüglich dessen Vaters und dessen nirgends erwähnt gefundener Mutter beseitigt werden konnten. Jüngst kamen außerdem noch die höchst aufschlussreichen Texte der von Will und den zwei teilzitierten Lexika aufgeführten beiden Diplome dazu, so das der Wappenverleihung durch Kaiser Ferdinand I. von 1555 und das der Adelserhebung durch Kaiser Leopold I. von 1658, die nach ihrer Transkribierung wichtige Aufschlüsse hinsichtlich der Bedeutung des den Von Wimpffen zueigneten Widderwappens sowie den Gründen der Adelswerdung ihres Geschlechts lieferten. Neuerdings bekam ich noch einen Urkundentext des Jahres 1559, der den bei Stör als Stammträger der Generation 5 ausgewiesenen Dominicus Herman von Wimpffen betrifft. Nicht zu vergessen die mir von Dr. von Wimpffen zugekommene Serie von einem halben Dutzend Farbdrucken im Ansichtskartenformat, die nach den Originalgemälden seiner verstorbenen Mutter bedeutsame Persönlichkeiten seines Geschlechtes in denkwürigen Situationen der Geschichte nachempfindend wiedergeben und die sich im Fortgang alle (wie schon vorausgehend jene der Abb. 1 und  4) an passender Stelle eingebracht finden werden.

Was aus der langen Liste der gefundenen und verwendeten Literatur und sonstiger Quellenträger hier noch als besonders stoffbietend zu betrachten ist und somit abschließend hier ebenfalls noch herausgestellt werden soll, das ist ein 2008 in Nürnberg erschienenes dreibändiges Geschichtswerk von Archivdirektor Peter Fleischmann: „Rat und Partriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert“. Dieses heranzuziehen, war notwendig, um die nach ihrer Niederlassung in der Freien Reichsstadt Nürnberg erfolgte Einbindung und Heiratsverbindungen der Hermann/Von Wimpffen mit dem eingesessenen Patriziat sowie ihren dort erfolgten Aufstieg in der streng hierarchisch gegliederten Gesellschaft wie deren schließlichen dortigen tiefen Fall und Wegzug im ausgehenden 17. Jahrhundert richtig sehen und beurteilen zu können. Wollte man der Vollständigkeit huldigen, dann müsste hier noch eine Unmenge von zum Teil im Internet sowie sonsther aufgespürter Nebenliteratur aufgezählt werden, so z. B. vor allem solche über die mit den Von Wimpffen bzw. noch mehr ihrer angeheirateten Nürnberger patrizischen Verwandtschaft im alten Nürnberg verbundenen Örtlichkeiten sowie deren in den Nürnberger Umlanden existierten Schlösser und Herrensitze. Das restliche gefundene und verarbeitete Schrift- und Urkundengut findet sich zusammen mit dem vorstehend aufgeführten solchen in der o. g. Zusammenstellung verzeichnert. Das sichtbare Ergebnis dieser jahrelangen intensiven Stoffsuche manifestiert sich in meinem Arbeitszimmer in der fast einen Meter füllenden Reihe von Druckwerken und in acht dicken Leitzordnern, gefüllt hauptsächlich mit Text-, Bild- und Urfkundenkopien aus dem Internet bzw. Kopien von Fachliteratur. Und der auf die Kapitel A und F des Vortextes für „Die Geschichte der hessischen Exklave Wimpffen, Band 3 (1870 – 1918)“ umfasst, was die auf die Von Wimpffen bezogenen Abschnitte betrifft, fast 100 DIN A4-Seiten, nicht gerechnet das dazugehörige rund 50 Titel zählende Bild- und Urkundengut.


 
 
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